Was ist eigentlich Fairplay?

Die Vorrunde der Saison 2015/2016 ist Vergangenheit. Trainer Heris Stefanachi möchte einige Gedanken los werden.

Heris Stefanachi 41115

Nachdem wir mit der 1. Mannschaft des FC Bazenheid zweimal hintereinander punktgleich mit unserem jeweiligen Gegner wegen der Fairplay-Rangliste nicht aufgestiegen sind, höre ich immer wieder, dass der FC Bazenheid mit dem Wort "undiszipliniert" in Verbindung gebracht wird. Das entspricht nicht der Wahrheit und da ich dieses Vorurteil in dieser Vorrunde erstmals! in verschiedenen Spielen gespürt habe, nehme ich Stellung dazu.

Hiermit einige Fakten. Ich beziehe mich zuerst ausschliesslich auf die Saisons 2013/14 und 2014/15.

In 44 Meisterschaftsspielen und 6 Cupspielen (insgesamt 50! offizielle Spiele) in zwei Jahren haben wir 2! rote Karten bekommen(1x gelb-rot aus dem Spiel heraus und 1x direkt Rot wegen einer Notbremse, was beides nichts mit Fairplay zu tun hat, sondern mit bestimmten Spielsituationen). Das heisst keine Tätlichkeiten, keine grobe Unsportlichkeiten, keine grobe Beleidigungen oder sonstige grobe Unsportlichkeiten! und ich wiederhole mich, in 50! Spielen in denen viele Spiele auf Messers Schneide standen, da es immer um den Aufstieg ging und nicht um einen Apfel und eine Banane.

Jeder, der nur ein bisschen etwas von Fussball versteht, kann diese Statistik unter der Rubrik "sehr diszipliniert" einordnen.

Gelbe Karten:

Den Kritikpunkt, den ich gerne annehme, sind die gelben Karten wegen Reklamierens in der Saison 2013/2014, das war nicht zufriedenstellend, weil eine Karte wegen Reklamierens tatsächlich mit Fairplay gegenüber dem Schiedsrichter zu tun hat und da sind wir und vor allem ich als Trainer genug selbstkritisch, um das problemlos so anzunehmen.

Zu den gelben Karten wegen Fouls (Fairplay?) werde ich anschliessend Stellung nehmen.

Die Saison 2013/14 haben wir mit 88 Strafpunkten beendet, was keine besonders gute, aber auch keine katastrophale Bilanz ist (nur schon in der anderen Gruppe der Liga hätte das Rang 7 von 12 in der Fairplay Wertung bedeutet).

Natürlich haben wir auf das hin gearbeitet und in der Saison 2014/15 unsere Strafpunkte-Bilanz auf 62 verbessert (Rang 7 von 12 in der Fairplay-Wertung unserer Gruppe, was als durchschnittlich bezeichnet werden kann). Es hat trotzdem nicht gereicht, weil der Gegner besser war in dieser Hinsicht, aber das heisst ja nicht, dass wir eine undisziplinierte Mannschaft waren mit 62 Strafpunkten in 22 Spielen und einer roten Karte wegen einer Notbremse, sondern der Gegner war einfach besser. Punkt.

Mein Ziel als Trainer ist es Erfolg zu haben, in dem wir sportlich fair und respektvoll gegenüber Schiedsrichter, Gegner und Zuschauer auftreten, weil das die wichtigsten Prinzipien sind im Sport und die müssen eingehalten werden.

Gelbe Karten wegen Fouls in der Fairplay-Wertung: Das ist keine Kritik, sondern meine persönlich Ansicht. Ich frage mich seit langem, was Fouls in dieser Wertung verloren haben. Ist ein Foul ein Zeichen von Unsportlichkeit? Oder ist eine Mannschaft, die viele Fouls macht, unfair? Nein! Für mich gehören Fouls zum Fussball (und ich meine nicht Fouls, die zu einer direkten roten Karte führen, von hinten oder gewillt den Gegner zu verletzen). Es gibt taktische Fouls, harte Tacklings, Fouls, in denen der Spieler aggressiv den Ball sucht und dann doch den Gegner trifft, all diese Fouls gehören zum Fussball und das hat für mich nichts mit Fairplay zu tun.

Aggressivität: Fussball ist eine Kontaktsportart und eine gesunde Aggressivität muss eine der Eigenschaften einer guten Mannschaft sein. Ist eine sportlich aggressive Mannschaft weniger fair als eine andere? Nein. Wie soll ein Trainer seine Mannschaft einstellen, wenn er nicht zu viele Strafpunkte holen will: Macht keine Fouls, weil wir in der Fairplay Wertung sonst nach hinten durchgereicht werden? Nein, Fouls gehören zum Fussball und für das gibt es Schiedsrichter, die ein Foul mit einer Karte bestrafen, wenn es über das Limit geht. Mit Fairplay haben diese Art Fouls nichts zu tun und darum werde ich immer meine Mannschaften so gut wie möglich sportlich aggressiv einstellen.

Idee: Eine Fairplay-Wertung, in der die gelben Karten wegen Reklamierens, die direkten roten Karten, wegen eines groben Fouls, die Tätlichkeiten, die groben Unsportlichkeiten gegenüber Schiedsrichter, Gegenspieler, Trainer und Zuschauer, das bewusste Zeit verlieren und sonstige Unsportlichkeiten beinhalten, das würde ich als richtige Fairplay-Rangliste bezeichnen.

Was ist denn Fairplay überhaupt?

Ich habe Spiele erlebt, in denen der Ball schon ab der 25. Minute der ersten Halbzeit bis zum Spielschluss einen sehr langen und schweren Weg zurück auf den Platz fand, um so wenig Spielzeit wie möglich zu garantieren, da die betreffende Mannschaft am gewinnen war (noch schlimmer, dass es schon so war als es noch 0:0 stand). Dazu kommt, dass der Trainer diese Methode motiviert unterstützte. Ist das Fairplay?

Ich habe gehört, wie ein Trainer einen gegnerischen Spieler als „Schofseckel“ während des Spiels bezeichnet hat. Ist das vielleicht Fairplay?

Ich habe miterlebt, wie eine Mannschaft nach Spielschluss gejubelt hat, weil die gegnerische Mannschaft nicht aufgestiegen ist (obwohl dieselbe Mannschaft im gleichen Spiel mit einem Sieg auch aufgestiegen wäre). Ist das eher Fairplay? Sich freuen, wenn andere ihr Ziel nicht erreichen?

In Bazenheid werden die Bälle immer sofort wieder reingespielt, ich kann das garantieren, weil ich es persönlich mache und das unabhängig vom Resultat. Die Spiele müssen auf dem Platz gewonnen werden und nicht mit Armutsspielchen ausserhalb.

Beim Eintreffen der Schiedsrichter in der Garderobe stehen in Bazenheid Schokolade, Bananen und Getränke bereit. Der Termin für den Garderoben-Besuch wird gemacht und bevor der Schiedsrichter eintrifft, ist meine Mannschaft bereit, in dem alle schon am Platz sitzen, die Musik ist abgestellt und Schienbeinschoner, Schuhe und Tenue bereit stehen für die Kontrolle. (Für das wollen wir kein Lob, das ist nichts anderes als normal).

Wir wollen immer gewinnen und wenn wir es nicht schaffen, sind wir enttäuscht. Nie werden wir ein Unentschieden bejubeln, nur weil der Gegner mit diesem Unentschieden sein Ziel nicht erreicht hat.

Das sind einige Beispiele wie wir Fairplay interpretieren.

Die Strafpunkte in dieser Saison kommentiere ich nicht. Wer die Spiele aber verfolgt hat, der ist bestens informiert, wo und wie wir den grössten Teil der Strafpunkte geholt haben.

Wir, und ich als Erster, sind keine Engel in Bazenheid, natürlich machen wir Fehler, wie jeder Mensch es auch täglich tut. Wir leben diesen Sport mit Emotionen, aber wir probieren diesen Sport mit dem Feuer, der Leidenschaft, dem Spass, dem nötigen Respekt und Professionalität zu interpretieren, die der Fussball verdient und diese Arbeit muss respektiert werden!

Fairplay ist ein wichtiger Bestandteil des Ganzen.

Aber eben, der richtige Fairplay und nicht nur der scheinbare.

Danke allen Zuschauern für die Unterstützung in der Vorrunde und ich wünsche allen eine erholsame Winterpause.

Forza Bazenheid

Heris Stefanachi, Trainer 1. Mannschaft