«Wir erleben etwas Einmaliges»

Jahrhundertspiel In Bazenheid fiebert man der Partie der 2. Hauptrunde des Helvetia Schweizer Cups vom kommenden Sonntag gegen die Berner Young Boys entgegen.

DSC 8080

Interview: Beat Lanzendorfer

Der 34jährige Dejan Baumann spielt mit Ausnahme eines Abstechers zu Tuggen (2007 bis 2009) seit dem Jahr 2000 beim FC Bazenheid. Für den Captain der 1. Mannschaft ist das Cupspiel gegen die Young Boys ein Karriere-Highlight.

Herr Baumann, wie hat die Mannschaft auf das Traumlos reagiert?

Die Freude war gross. Unsere Whatsapp-Gruppe explodierte beinahe. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man so einen langen Weg im Cup gehen muss und endlich belohnt wird.

Sie sind schon lange im Geschäft, gibt es etwas Vergleichbares, das Sie als Fussballer miterleben durften?

Die verschiedenen Cupspiele, welche ich aktiv miterleben durfte, bleiben da am besten in Erinnerung. Die beiden knappen Niederlagen gegen Lugano und Chiasso waren für mich als damals noch junger Spieler ein riesiges Erlebnis. Den grössten Sieg erlebte ich aber mit dem FC Tuggen, als wir in der 1. Hauptrunde gegen den FC Schaffhausen, wo mein heutiger Teamkollege Pete Läng in der Challenge League verteidigte, mit 4:1 gewinnen konnten und ich sogar noch ein Tor schoss, was heute ja nicht mehr so häufig passiert.

Spüren Sie in Ihrem persönlichen Umfeld eine Euphorie auf das Cupspiel?

Ja, ganz klar, ich werde täglich darauf angesprochen. Jeder wünscht einem viel Glück für das Spiel. Man spürt auch im Verein eine grosse Euphorie, alle sind bereit zu helfen und möchten bei diesem Jahrhundertspiel mitwirken. Alle wollen ein grosses Cupfest erleben.

Wie drückt sich das aus?

Viele Bekannte, Freunde und auch Mitarbeiter fragen nach Karten, wollen uns unterstützen und vielleicht etwas Einmaliges erleben.

Nach der Auslosung folgte der Alltag mit den Meisterschaftsspielen gegen Tägerwilen, Rorschach, Tobel-Affeltrangen und Calcio Kreuzlingen. War es schwierig, die Konzentration hochzuhalten?

Das Spiel gegen YB war in dieser Zeit unter der Woche logischerweise ständig ein Thema. Ich bin froh, haben wir sämtliche Meisterschaftsspiele verlustpunktlos überstanden und können uns endlich diesem Highlight zuwenden.

Wofür entscheiden Sie sich? Aufstieg in dieser Saison mit Bazenheid oder Sieg gegen die Young Boys?

Ganz klar für den Aufstieg. Wir waren in den letzten Jahren jeweils sehr nahe dran und viele Spieler sind aus diesem Grund in Bazenheid geblieben. Wir wollen endlich zusammen aufsteigen! Aber das heisst ja nicht, dass wir das andere ausschliessen müssen.

Haben Sie sich schon mit einem Ihrer möglichen Gegenspieler befasst?

Nein, im Detail bis jetzt noch nicht. Man liest ja immer das eine oder andere in den Zeitungen, das nimmt man natürlich jetzt anders wahr, auch wenn sich jemand wie Hoarau verletzt. Die Frage vor so einem Spiel ist aber immer, wer dann wirklich aufläuft.

Wie bereitet sich die Mannschaft auf das Cupspiel vor?

Das läuft in dieser Woche ein wenig anders ab. Neben einer Videoanalyse sowie einer Pressekonferenz wird vor allem trainiert. Unser Trainer hat sich sicher bereits die richtige Taktik ausgedacht, mit welcher wir am Sonntag gegen die Young Boys bestehen können.

Was passiert am Spieltag selber?

Wir werden uns zum Essen im Restaurant Edelweiss treffen. Dort waren wir schon vor dem Qualifikationsspiel gegen Chur und in der ersten Hauptrunde gegen Red Star. Hoffentlich ein gutes Omen. Wir versuchen, alles so normal als möglich zu halten, die Anspannung wird auch ohne Spezialprogramm ansteigen. Es gilt, sich möglichst gelassen und fokussiert vorzubereiten.

Mit welchen Argumenten locken Sie Zuschauer nach Bazenheid, die noch nicht im Besitz eines Tickets sind?

Wir haben eine Chance und wir werden alles dafür tun, das Spiel so lange als möglich offen zu halten. Wir sind gut drauf und wollen auch etwas erreichen. Dazu brauchen wir das nötige Glück und die Unterstützung unserer Fans.

Mit wie vielen Zuschauern rechnen Sie?

Ich rechne mit etwa 3000 Zuschauern. Alles, was mehr ist, nehmen wir natürlich gerne.

Sie gehören mit Torhüter Adi Bernet zu den dienstältesten Spielern? Was zeichnet den FC Bazenheid aus?

Das familiäre Umfeld, ganz klar. Es gibt so viele gute Seelen, welche sich seit Jahrzehnten für diesen Verein einsetzen. Das macht ihn einfach sympathisch. Als gutes Beispiel dient diese Woche. Als wir von der 1. Mannschaft trainiert haben, waren nebenan unzählige Helfer an der Arbeit, um für den nächsten Sonntag alles perfekt herzurichten. Hut ab. Dazu gelingt es dem FC Bazenheid immer wieder, mit jungen, ehrgeizigen Trainern eine längerfristige Bindung einzugehen, was eine wichtige Kontinuität in der 1. Mannschaft gibt. Daher überrascht es nicht, dass der Grossteil der Mannschaft bereits länger zusammenspielt.