Vor dem Saisonstart gegen Calcio Kreuzlingen

Wir wollen aufsteigen

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Der 35jährige Heris Stefanachi beginnt heute Samstag mit der Partie bei Calcio Kreuzlingen seine dritte Saison als Trainer beim FC Bazenheid. Das Ziel der Alttoggenburger ist klar definiert: Aufstieg.

Wie gross war die Enttäuschung über den Nichtaufstieg am Ende der vergangenen Saison?

Heris Stefanachi: Sehr, sehr gross. Mit 53 Punkten nicht aufzusteigen, schmerzt. Die Enttäuschung und Wut muss aber in dieser Saison in jedem Spiel auf dem Platz sichtbar sein und zwar in Form von Wille, Konzentration und Aggressivität.

Die Vorbereitung war kurz. Trotzdem präsentiert sich Ihr Team nach dem Sieg beim Bazenheider Cup und dem Cuperfolg in Schmerikon in guter Verfassung. Sind Sie mit dem derzeitigen Formstand zufrieden?

Stefanachi: Der Formstand der meisten Spieler ist gut. Verschiedene Akteure haben noch einen Fitnessrückstand und andere kommen aus Verletzungen. Das müssen wir in den nächsten Wochen in Ordnung bringen, um in der Breite wieder ausgeglichen zu werden. Die meisten Spieler sind aber fit und startbereit. Da wir zum grössten Teil zusammen geblieben sind, sind wir, was die Automatismen anbelangt, auf einem gutem Stand, was sehr wichtig ist.

Mit Fabian Marjakaj, Tolga Cakir und Maurin Gregorin sind drei Leistungsträger nicht mehr dabei. Konnten die drei Abgänge adäquat ersetzt werden?

Stefanachi: Tolga Cakir wurde eins zu eins ersetzt und mit Christoph Gebert hatten wir auf dieser Position schon einen top Spieler und guten Typen. Die Schnelligkeit von Fabian Mariakaj kann man in dieser Liga nicht ersetzen, aber durch Spieler mit anderen Qualitäten und Stärken haben wir auch diese Position gut besetzt. Der Abgang von Maurin Gregorin schmerzt besonders. Das taktische Verständnis und die Spielintelligenz werden uns fehlen. Vor allem aber verlieren wir einen ehrlichen und dankbaren Akteur für alle Mitspieler, den Trainer und den Verein. Unsere Wege werden sich jedoch wieder kreuzen, da bin ich ziemlich sicher. (Anmerkung der Redaktion: Maurin Gregorin tritt ab 1. September für ein Jahr eine Lehrerstelle an der Schweizerschule in Barcelona an). Aber auch auf dieser Position haben wir verschiedene Lösungen getestet und gefunden, die mich sehr zufrieden stellen und grosses Potenzial haben. Stefano Cristiani und Artan Beluli hatten zwar nicht entscheidende Rollen auf dem Platz, waren aber menschlich gesehen Leistungsträger, was im Leben wichtiger ist. Auch sie möchte ich hier kurz erwähnen und ihnen für die Zukunft viel Glück wünschen.

Gibt es trotz namhafter Zugänge noch Handlungsbedarf an der Transferfront?

Stefanachi: Wenn sich niemand verletzt nein. Falls sich kurzfristig die Möglichkeit bietet, einen top Spieler zu verpflichten, dann wird diese Möglichkeit geprüft, wie immer. Ansonsten ist der Transfermarkt für uns beendet und ich habe volles Vertrauen in jeden einzelnen Spieler meines Kaders. Mit gezielten Transfers ist uns die Verstärkung der Mannschaft gut gelungen und damit meine ich nicht nur die namhaften Spieler, sondern auch jene aus den unteren Ligen. Sie machen schnell Fortschritte und werden einige noch mit ihrer Leistung überraschen. Auch das muss unsere Stärke sein, talentierte Spieler aus den unteren Ligen zu erkennen und sie weiter zu entwickeln. Hierfür gebührt auch unserem Sportchef Hans «Hasä Stadler ein Sonderlob, der mich in der Transferphase immer ertragen muss. Hinzu kommt, dass die talentierten Spieler dieses Jahr auch mehr Verantwortung übernehmen müssen, um das Potenzial, das in ihnen steckt, auszuschöpfen.

Wer sich umhört, bekommt eigentlich nur einen Aufstiegsfavoriten zu hören: Bazenheid. Gleicher Meinung? Nach drei zweiten Plätzen in Serie kann das Ziel aber wohl nur Aufstieg lauten?

Stefanachi: Erstmals, aus verschiedenen Gründen, heisst das Ziel anfangs Saison schon Aufstieg, ja das ist so. Ob wir Favoriten sind, kann ich momentan noch nicht beurteilen, da ich bisher nicht alle Informationen über die anderen Mannschaften habe. Wir sind aber sicherlich dabei.

Welchen Teams trauen Sie am ehesten zu, Ihnen einen Strich durch die Rechnung zu machen?

Stefanachi: Tägerwilen und Winkeln, weil sie eine starke Rückrunde gespielt haben sowie Absteiger Amriswil. Wie die Situation beim anderen Absteiger Arbon ist, kann ich momentan schlecht einschätzen. Ich rechne auch immer wieder mit einer Überraschung. Was sicher ist, dieses Jahr wird es eine ausgeglichenere Gruppe sein als letztes Jahr in der Vorrunde.

Konzentriert sich Bazenheid lediglich auf die Meisterschaft oder wird dem Cup auch Aufmerksamkeit geschenkt. Das Erreichen der ersten Hauptrunde liegt schon sieben Jahre zurück und wäre sicher wieder einmal reizvoll?

Stefanachi: Dem Cup haben wir schon immer die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt wie der Meisterschaft, nur haben wir es leider nicht geschafft weit zu kommen, weil wir nicht gut genug waren und Fehler gemacht haben. Bei nur 22 Spielen in einer Saison muss man keine Prioritäten setzen, man kann zweigleisig fahren. Das Maximum ist immer das Ziel. Dieses Jahr kommt aber die Anweisung von ganz oben. Präsident Markus Böni hat schon beim Abschlussessen der letzten Saison angekündigt, dass der Cup für ihn eine Priorität ist, daher sind wir dieses Mal gezwungen, die Anweisung einzuhalten. Ich bin unter Druck, was ich auch gerne hinnehme (lacht). Anmerkung: Nächster Gegner im Cup ist Viertligist Ebnat-Kappel.

Zum Auftakt müssen Sie mit Ihrem Team zu Calcio Kreuzlingen. Kennen Sie den Gegner? Immerhin hat er mit Scintilla einen Drittligisten mit dem gleichen Resultat wie Sie Schmerikon aus dem Cup eliminiert (5:0).

Stefanachi: Calcio Kreuzlingen wird dieses Jahr stärker sein als in der Rückrunde des letzten Jahres. Es wird ein unbequemer Gegner. Uns erwartet ein hartes Stück Arbeit. Das erste Spiel bietet dazu immer wieder versteckte Gefahren. Wir müssen uns auf einem top Level zeigen, um diese erste Hürde zu meistern.

Wagen Sie zum Abschluss des Gesprächs eine Prognose?

Stefanachi: Meine Prognose vom letzten Winter ist knapp nicht eingetroffen, daher möchte ich sie dieses Jahr ändern. Rang 1 punktgleich, aber mit mehr Strafpunkten als der Aufsteiger, was dann zum dritten Mal in Folge der Fall wäre. Anschliessend wandere ich nach Mexico aus und beginne dort mein neues Leben als Fischer. (Was an seinem Lachen nicht ganz ernst gemeint ist). Die Prognose für Samstag ist klar, wir wollen mit einem Sieg einen guten Saisonstart hinlegen.